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#5 in der Interviewserie zur finanziellen Eingliederung – Abschließende Bemerkungen des CEO von GLEIF, Stephan Wolf

Warum finanzielle Eingliederung in Schwellenmärkten das Rückgrat der globalen Lieferkette darstellt


Autor: Stephan Wolf

  • Datum: 2021-11-11
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Im Laufe der Interviewserie zur finanziellen Eingliederung kamen wir mit wichtigen Partnern zusammen, um den Start der Global Business Identity Initiative von GLEIF in Afrika zu diskutieren, und wie das Projekt zu einer größeren finanziellen Eingliederung von afrikanischen KMUs führt. Stephan Wolf, CEO von GLEIF, schließt die Serie ab, indem er die grenzenlosen Möglichkeiten und die Transparenz hervorhebt, die diese Initiative für die globale Lieferkette mit sich bringt, wenn sich der frühe Erfolg in Afrika für KMUs und Banken in Schwellenmärkten weiter fortsetzt.

Wie wir von unseren Partnern im Laufe dieser Interviewserie erfuhren, war der Start der Global Business Identity Initiative von GLEIF in Afrika für alle Beteiligten ein Erfolg. Das ist jedoch nur der Anfang. Es handelt sich um ein Vorzeigemodell, wie kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) überall in der Welt eine „finanzielle Eingliederung" mithilfe eines Legal Entity Identifier (LEI) erreichen können. Die Definition der Weltbank für finanzielle Eingliederung von Unternehmen lautet, dass diese „Zugang zu nützlichen und bezahlbaren Finanzprodukten und -dienstleistungen entsprechend ihren Bedürfnissen haben, wie Transaktionen, Zahlungen, Preisvorteile, Kredite und Versicherungen, die auf verantwortliche und nachhaltige Weise zur Verfügung gestellt werden".

Während finanzielle Eingliederung für KMUs weltweit ein wünschenswertes Endziel an und für sich darstellt, ist es auch wichtig festzustellen, dass die Wirkung dieser Initiative, wenn sie in vielen Schwellenmärkten umfassender eingeführt wird, weit über die beteiligten KMUs und Finanzinstitute hinaus geht. Sie hat das Potenzial, die breitere Wirtschaft dadurch positiv zu beeinflussen, indem die globale Lieferkette deutlich gestärkt wird. Lassen Sie mich erläutern, wie diese beiden Konzepte miteinander verbunden sind.

Das Fehlen einer universalen Identität behindert das Wachstum von KMUs und des Überseehandels

KMUs machen 90% der Unternehmen weltweit aus. Ohne juristische Glaubwürdigkeit oder eine Möglichkeit, ihre Identität grenzüberschreitend zu beweisen, haben viele dieser Unternehmen Schwierigkeiten, eine Finanzierung zu sichern, Partnerschaften einzugehen oder Überseehandel zu betreiben. Das gilt insbesondere für Unternehmen in Schwellenmärkten, in denen ein höherer Risikofaktor wahrgenommen werden könnte. Banken dürfen ihnen keine Handelsfinanzierungen anbieten, ohne sie sorgfältigen und kostspieligen Know-Your-Customer- und Anti-Geldwäscheprüfungen zu unterziehen. Diese Prozesse werden allerdings ohne einen verifizierten Identifier erschwert. Im Ergebnis vergrößert sich die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot globaler Handelsfinanzierungen und hat nun 1,7 Billionen USD nach einem Anstieg um 15 % seit 2018 erreicht.

Die Einführung der Business Identity Initiative hat das Problem mit einem Schwerpunkt auf Afrika verdeutlicht. Es ist jedoch wichtig, im Gedächtnis zu behalten, dass es sich dabei um eine globale Herausforderung handelt, denen sich KMUs und Banken überall in der Welt gegenüber gestellt sehen. Und als Folge hiervon werden KMUs daran gehindert, ein Teil der globalen Lieferkette zu werden, sei es, weil sie nicht investieren, sich entsprechend dimensionieren oder die nötigen Partnerschaften eingehen können, und das aufgrund eines einfachen Faktors. Sie können nicht beweisen, wer sie sind.

Der LEI fördert die Ausweitung der globalen Lieferketten und die Rückverfolgbarkeit von Lieferanten

Wie wir an Afrika gesehen haben, ergibt sich eine Fülle von Vorteilen, wenn Finanzinstitute die Ausstattung von KMUs mit einem LEI ermöglichen, indem sie zu Validierungsstellen werden. Das ist der Grund dafür, warum Finanzinstitute nun motiviert und ermutigt sein sollten, dieses Modell zu nutzen, um ihre KMU-Kunden mit einem weltweit anerkannten LEI auszustatten. Dies wird KMUs nicht nur einen breiteren Zugang zu Finanzdienstleistungen ermöglichen, was für Banken einen klaren Vorteil darstellt, sondern hat auch eine weitergehende Wirkung, indem es KMUs gestattet wird, Handelsfinanzierungen zu beantragen und vertragliche sowie geregelte Vereinbarungen mit Banken, Zahlungsnetzwerken und Handelspartnern treffen zu können. Das Ergebnis wird eine größere Beteiligung an inländischen und internationalen Märkten sowie ein gestärktes eingehendes Kapital sein, das wiederum dazu genutzt werden kann, die wirtschaftliche Entwicklung des Marktes zu fördern.

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der sich Millionen mehr KMUs dimensionieren und vertrauensvoll internationalen Handel treiben können. Wieviel mehr Produkte und Dienstleistungen – sowohl in Bezug auf Volumen als auch Vielfalt – stünden uns allen durch die globale Lieferkette zur Verfügung, und wie würde sich verstärkter Wettbewerb auf Leistung und Preis auswirken? Es ist eine ambitionierte Vorstellung und sie liegt in Reichweite. Der LEI kann bei der Öffnung von grenzüberschreitenden Handelsmöglichkeiten für mehr KMUs als ein entscheidendes und unmittelbar verfügbares Instrument in dem Bemühen, eine breitere und wettbewerbsintensivere Lieferkette für Unternehmen weltweit zu schaffen, gelten. Zudem würde die Verwendung eines globalen offenen Identifier dabei helfen, die Beziehungen innerhalb von Lieferketten transparenter zu gestalten, was eine entscheidende Komponente für eine nachhaltige Überprüfung und das Berichtswesen von Lieferketten darstellt.

Was muss als Nächstes geschehen?

Wandel muss irgendwo beginnen. Und der Erfolg der ersten Runde der Digital Business Identity Initiative von GLEIF in Afrika zeigt, welch großes Potenzial die globale Lieferkette und damit auch die Weltwirtschaft hat, wenn Finanzinstitute in mehr Ländern die Initiative ergreifen und sie umsetzen.

Das Ergebnis einer größeren finanziellen Eingliederung von KMUs wird ein stärkeres, vielfältigeres, transparenteres and wettbewerbsintensiveres Ökosystem einer globalen Lieferkette sein. Folglich könnten wir erwarten, die positive Wirkung – finanzielles Wachstum und Wohlstand – bei allen Arten von Unternehmen in allen Regionen der Welt zu sehen.

Nun, wo die Initiative in Gang gesetzt ist, lädt GLEIF mehr Finanzinstitute dazu ein, die Vorteile zu erkunden, wenn sie als Validierungsstelle fungieren, um eine größere finanzielle Eingliederung von KMUs zu fördern und hieraus Vorteile zu erzielen. GLEIF sucht kontinuierlich den Dialog mit Regierungen, Nicht-Regierungsorganisationen, Banken und anderen Stakeholdern, die daran interessiert sind, entweder die LEI-Initiative in Afrika auszuweiten oder das Modell in anderen sich entwickelnden Volkswirtschaften zu replizieren. Wir sind hier, um zu helfen.

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Über den Autor:

Stephan Wolf war der CEO der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF) (2014–2024). Seit März 2024 leitet er das Industry Advisory Board (IAB) der Digital Standards Initiative der Internationalen Handelskammer (ICC), der globalen Plattform für die Angleichung, Einführung und Einbindung digitaler Standards. Vor seiner Ernennung zum Vorsitzenden war er seit 2023 stellvertretender Vorsitzender des IAB. Im selben Jahr wurde er in den Vorstand der Internationalen Handelskammer (ICC) Deutschland gewählt.

Zwischen Januar 2017 und Juni 2020 war Herr Wolf Mitvorsitzender der International Organization for Standardization Technical Committee 68 FinTech Technical Advisory Group (ISO TC 68 FinTech TAG). Von One World Identity wurde Herr Wolf im Januar 2017 unter die Top 100 Leaders in Identity gewählt. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Einrichtung von Datenoperationen und globalen Implementierungsstrategien. Er hat während seines gesamten Berufslebens an der Weiterentwicklung grundlegender Unternehmens- und Produktentwicklungsstrategien gearbeitet. Herr Wolf war 1989 Mitgründer der IS Innovative Software GmbH und erster Geschäftsführer der Gesellschaft. Später wurde er Sprecher des Vorstands der Nachfolgegesellschaft IS.Teledata AG. Diese Gesellschaft wurde schließlich Teil der Interactive Data Corporation, wo Herr Wolf die Funktion des Technischen Direktors innehatte. Herr Wolf hat einen Abschluss in Betriebswirtschaft von der J. W. Goethe Universität, Frankfurt am Main.


Tags für diesen Artikel:
Global LEI Index, Validierungsstellen, Digitale Identität, Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF), Datenverwaltung, Compliance, Governance, Regulierung, Know-Your-Customer (KYC), LEI-Abgleich, LEI-Meldungen, LEI-Verlängerung