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Die im ESEF eingebetteten Vorteile der digitalen Finanzberichterstattung

Die Aufnahme eines einfachen Links liefert beträchtliche Zugewinne in Sachen Transparenz, Vertrauen und Verifizierbarkeit in Echtzeit für das gesamte Finanzsystem. Dies ist eine weitere digitale Feder am Hut des LEIs, erklärt Stephan Wolf, CEO, Global LEI Foundation.


Autor: Stephan Wolf

  • Datum: 2020-09-15
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Kein anderes öffentliches Geschäftsdokument ist so wichtig wie der Jahresbericht. Jedes börsennotierte Unternehmen ist gesetzlich zur Veröffentlichung dieses Dokuments verpflichtet, das seine Geschäfte und Finanzlage offenlegt und seine Tätigkeiten in den vorhergehenden zwölf Monaten abbildet. Anteilseigner, Anleger und das allgemeine Finanzsystem treffen unzählige strategische und operative Entscheidungen basierend auf dem Inhalt dieses Dokuments.

Im heutigen digitalen Zeitalter überrascht es somit kaum, dass die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) mittlerweile vorschreibt, dass alle ab 2020 veröffentlichten Jahresberichte einer einheitlichen digitalen Konfiguration, dem sogenannten einheitlichen elektronischen Berichtsformat (European Single Electronic Format (ESEF)), entsprechen müssen. Darin muss zudem der Legal Entity Identifier eingebettet sein.

Auf den ersten Blick dient das ESEF-Format offensichtlich dazu, dass Finanzberichte nun in einem praktischen papierlosen Format erstellt werden. Dies ist zwar richtig und auch äußerst empfehlenswert. Indem die ESMA Unternehmen dazu verpflichtet, den LEI einzubetten, ergeben sich jedoch noch enorme weitere Potenziale. Durch diese Vorschrift wird die Transparenz erhöht, das Vertrauen gesteigert und eine sofortige und eindeutige Verifizierung ermöglicht, dass die den Bericht einreichende Organisation auch wirklich diejenige ist, für die sie sich ausgibt. Diese weitreichenden Vorteile werden alle durch die Verknüpfung des Berichts mit den verifizierten LEI-Referenzdaten des einreichenden Rechtsträgers, die im Global LEI Index gespeichert sind, ermöglicht.

Die einfache Einbettung des LEIs einer Organisation – oder gar der LEIs ihrer verbundenen Unternehmen, Tochter- und Muttergesellschaften – in einen ESEF-Finanzbericht bedeutet, dass Aufsichtsbehörden, Anleger, Händler und andere finanzielle Stakeholder Informationen über den einreichenden Rechtsträger schneller und einfacher als zuvor konsolidieren und verifizieren können.

LEI-Referenzdaten umfassen Visitenkarteninformationen über ein Unternehmen wie Namen und eingetragene Adresse sowie Beziehungsdaten, aus denen hervorgeht, ob das Unternehmen Eigentümer anderer Rechtsträger ist oder im Eigentum anderer Rechtsträger steht. Diese erhöhte Transparenz bezüglich der Eigentumsstruktur eines Rechtsträgers bedeutet, dass die Beziehungsnetzwerke zwischen LEIs schnell und automatisch hergestellt werden können, da die LEIs des einreichenden Rechtsträgers, seiner verbundenen Unternehmen, Tochter- und Muttergesellschaften allesamt in dem neuen maschinenlesbaren ESEF-Format bereitgestellt werden. Da die Referenzdaten jährlich von GLEIF-akkreditierten LEI-Vergabestellen neu verifiziert werden, sind sie stets korrekt und aktuell. Unterm Strich kommt dabei ein erheblich nützlicheres Dokument für die Endbenutzer heraus, das zudem nachweislich vertrauenswürdig, echt und vollständig ist.

Die ESMA hat den Jahresbericht 2019 der Global LEI Foundation auf ihrer Website veröffentlicht, der als optimales Beispiel für einen im ESEF-Format veröffentlichen Bericht dient, auf den andere Ersteller Bezug nehmen können. Der Bericht wurde in den für Menschen und Maschinen lesbaren Inline-XBRL- und -HTML-Formaten unter Einbettung der LEIs sowohl in den Jahresbericht als auch in die digitalen Zertifikate der den Bericht unterzeichnenden Geschäftsführer veröffentlicht. Die Kombination dieser zwei Besonderheiten liefert etwas ganz Neues: sofort verfügbare, digital verifizierbare Nachweise, die sowohl die Echtheit eines Dokuments als auch die für dessen Inhalt verantwortlichen Schlüsselpersonen verifizieren.

Neben dem einfachen Bericht schafft der Prozess der LEI-Einbettung breitere Möglichkeiten für das Finanzsystem. Die Zusammenfassung von Informationen aus verschiedenen Quellen wird erheblich vereinfacht, sodass standardisierte Finanzinformationen sowohl schneller als auch einfacher verglichen werden können. Dies kann entweder manuell per „Durchklicken“ zur Anzeige der LEI-Referenzdaten erfolgen oder über einen automatischen Prozess, mit dem sich noch mehr Zeit sparen lässt und das Risiko menschlicher Fehler ausgeschlossen werden kann. Mit der Zeit führt dies zur automatischen Erstellung von Online-Datenbanken, die die verknüpften LEIs verwenden, um wichtige Datenbestände zusammenzuführen, und dies zum Nutzen aller involvierten Personen oder Organisationen weltweit.

Die verpflichtende Einbettung von LEIs in Finanzberichte ist nur ein Beispiel für das transformative Potenzial dieser Technologie. Im weiteren Sinne stützt der LEI nicht nur das digitale Finanzsystem, er trägt auch zur Stabilisierung der Entwicklung einer digitalen Weltwirtschaft bei. Ohne zu übertreiben lässt sich sagen, dass der LEI zusammen mit dem Global LEI System das Vertrauensproblem für Rechtseinheiten auf globaler Ebene löst. Der LEI ist das einzige offene, geschäftlich neutrale, standardisierte und aufsichtsrechtlich empfohlene System, das in der Lage ist, ein digitalisiertes Vertrauensverhältnis zwischen allen Rechtsträgern weltweit herzustellen. Er wurde als öffentliches Gut konzipiert und gestaltet und kann kostenlos in vielen und immer zahlreicheren digitalen Anwendungsfällen eingesetzt werden. Einfach ausgedrückt: Je öfter er verwendet wird, desto besser wird er.

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Über den Autor:

Stephan Wolf war der CEO der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF) (2014–2024). Seit März 2024 leitet er das Industry Advisory Board (IAB) der Digital Standards Initiative der Internationalen Handelskammer (ICC), der globalen Plattform für die Angleichung, Einführung und Einbindung digitaler Standards. Vor seiner Ernennung zum Vorsitzenden war er seit 2023 stellvertretender Vorsitzender des IAB. Im selben Jahr wurde er in den Vorstand der Internationalen Handelskammer (ICC) Deutschland gewählt.

Zwischen Januar 2017 und Juni 2020 war Herr Wolf Mitvorsitzender der International Organization for Standardization Technical Committee 68 FinTech Technical Advisory Group (ISO TC 68 FinTech TAG). Von One World Identity wurde Herr Wolf im Januar 2017 unter die Top 100 Leaders in Identity gewählt. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Einrichtung von Datenoperationen und globalen Implementierungsstrategien. Er hat während seines gesamten Berufslebens an der Weiterentwicklung grundlegender Unternehmens- und Produktentwicklungsstrategien gearbeitet. Herr Wolf war 1989 Mitgründer der IS Innovative Software GmbH und erster Geschäftsführer der Gesellschaft. Später wurde er Sprecher des Vorstands der Nachfolgegesellschaft IS.Teledata AG. Diese Gesellschaft wurde schließlich Teil der Interactive Data Corporation, wo Herr Wolf die Funktion des Technischen Direktors innehatte. Herr Wolf hat einen Abschluss in Betriebswirtschaft von der J. W. Goethe Universität, Frankfurt am Main.


Tags für diesen Artikel:
Datenverwaltung, Digitale Identität, Open Data, Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF), Risikomanagement, Level 1 / Visitenkartendaten (Wer ist wer), Level 2 / Beziehungsdaten (Wer gehört wem), Datenqualität, Compliance, Governance, Richtlinienerfordernisse, Regulierung