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Das Global Legal Entity Identifier (LEI) System: Ein Blick zurück und ein Blick nach vorne

Der Vorsitzende des LEI Regulatory Oversight Committees betont die erzielten Fortschritte und die geplanten Maßnahmen zur Förderung des weiteren Wachstums und der Nutzbarkeit des Systems.


Autor: Matthew Reed

  • Datum: 2015-12-10
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Das Global Legal Entity Identifier System verfügt über drei Stufen

Das Ende des Jahres 2015 steht uns bevor und wir möchten die Gelegenheit nutzen, darüber nachzudenken, wo sich das Global Legal Entity Identifier (LEI) System derzeit befindet und in welche Richtung es sich entwickeln wird.

Die LEI-Geschichte ist eine gute. 2012 entschied eine Gruppe von Behörden aus aller Welt, dass wir ein „Kollektivmaßnahmen“-Problem lösen mussten, das die Branche und Aufsichtsbehörden bereits seit Jahrzehnten beschäftigte: die Entwicklung und Implementierung eines gemeinsamen Rechtsträger-Identifikationssystems, das als zentrale Achse für die Identifikation von Finanzmarktteilnehmern und der Zusammenführung von Daten dienen kann. Wir stellten fest, dass das System helfen musste, drei grundlegende Fragen zu beantworten: Wer ist wer? Wer gehört wem? Und wem gehört was?

Wir gelangten auch zu der Schlussfolgerung, dass das System drei grundsätzliche Merkmale aufweisen musste: Allgegenwärtigkeit, Beständigkeit und Zugänglichkeit. Allgegenwärtigkeit ist erforderlich, damit Daten untereinander kombiniert und verwendet werden können, ungeachtet dessen, wer sie generiert oder wo sie gespeichert sind. Beständigkeit ist von kritischer Bedeutung, damit man sich Jahr für Jahr auf Daten verlassen kann – über Firmenfusionen, Übernahmen und Abwicklungen hinweg. Zugänglichkeit ist notwendig, damit Firmen, Behörden und die Öffentlichkeit diese kritischen Kerninformationen über Rechtsträger, die auf den globalen Finanzmärkten tätig sind, auch erhalten können.

Die Steuerung des Systems und die Akzeptanz im Privatsektor bildeten die obersten Prioritäten bei der Einbeziehung dieser Merkmale. Durch die Arbeit der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) und des Financial Stability Boards (FSB) sowie später des LEI Regulatory Oversight Committees (ROC), das die Aufsicht über das System führt, erhalten wir Allgegenwärtigkeit. Während diese Zeilen geschrieben werden, arbeiten mehr als 80 Behörden aus 50 Nationen – viel mehr als die G20 Mitglieder hat – gemeinsam im öffentlichen Interesse an der Steuerung des Systems. Ein „Anstoß“ aus dem öffentlichen Sektor hilft ebenfalls dabei, Beständigkeit (durch die vorgeschriebene Verwendung des neuen LEI-Codes) und Zugänglichkeit (durch Entwicklung eines Finanzierungsmechanismus, der eine Nutzungsgebühr unnötig macht) zu erreichen. Das Resultat ist, dass die LEI ROC Mitgliedsbehörden mehr als 30 Regelungen für die Verwendung des LEIs im Meldewesen und Handel verfasst haben.

Der LEI wurde sowohl für private wie auch für öffentliche Zwecke entwickelt

Gleich von Beginn der Initiative an war klar, dass der öffentliche Sektor diese Eigenschaften nicht alleine erreichen würde und das auch nicht sollte. Daher bemühten wir uns um das Engagement des Privatsektors. Wir beauftragten zunächst die Internationale Organisation für Normung – eine als ISO bekannte Organisation für auf freiwilliger Übereinstimmung beruhender Normen – das zu entwickeln, was heute der LEI-Standard ist: den ISO 17442. Dieser Standard signalisierte, dass der LEI sowohl privaten als auch öffentlichen Interessen dienen sollte und universelle Anwendung finden könnte. Darüber hinaus wurden Mitglieder des Privatsektors ermutigt, sich über die Private Sector Preparatory Group an unseren Gedankengängen zu beteiligen.

Später ermöglichten wir die Schaffung einiger (inzwischen mehr als einige Dutzend) Einrichtungen, die bei der Vergabe von LEIs direkt mit den Marktteilnehmern zusammenarbeiten. Diese Einrichtungen – die sogenannten Local Operating Units – helfen uns dabei, durch die Verwaltung der LEI-Daten während ihres Lebenszyklus (wodurch Duplikationen vermieden werden) Beständigkeit und Zugänglichkeit zu erzielen. Sie stellen die Daten außerdem auch über eine kostenlose, herunterladbare, globale Datenbank der Allgemeinheit zur Verfügung.

Zusätzlich gründeten wir auch die Stelle, die alles zusammenhält und die wir jetzt beaufsichtigen: die Global LEI Foundation (GLEIF). GLEIF koordiniert und beaufsichtigt die Local Operating Units, so dass das öffentliche Interesse, das in ihren Statuten verankert ist, erhalten bleibt. Zudem hilft GLEIF auch dem LEI ROC bei der Entwicklung und Implementierung neuer Standards im Zusammenhang mit der Identifikation von Rechtsträgern.

Der nächste Schritt: Erfassung von Informationen über die Eigentumsverhältnisse von Firmen

Wir nähern uns jetzt dem Ende meiner dreijährigen Amtszeit als Vorsitzender des LEI ROC und der der stellvertretenden Vorsitzenden des LEI ROC, Bertrand Couillault von der Banque de France und Jun Mizuguchi von der japanischen Financial Services Agency.

In den 18 Monaten seit Gründung von GLEIF konnten wir bedeutende Fortschritte erzielen. GLEIF nimmt seine Verantwortung für die Einhaltung der Grundsätze des öffentlichen Interesses ernst. Während sie ihre Kapazitäten erhöht, verstärkt GLEIF gleichzeitig auch ihren Fokus auf die Datenqualität. Das Master Agreement mit den Local Operating Units, das die Beziehung zwischen diesen und GLEIF regelt, enthält kritische Werkzeuge zur Gewährleistung, dass die Daten, die von dem System produziert werden, öffentlich verfügbar sind und dass das System flexibel genug ist, um Wachstum und die Penetration selbst abgelegener Bereiche des globalen Finanzsystems zu ermöglichen. Außerdem hat GLEIF eine zuverlässige, vollständig herunterladbare und durchsuchbare Datenbank eingerichtet, die die Dateneinträge der 27 Local Operating Units zu mehr als 400.000 Unternehmen nahtlos kombiniert. Und währenddessen baut GLEIF ihre Fähigkeiten zur Implementierung von Standards weiter aus.

Nachdem GLEIF jetzt einen stetigen Geschäftsbetrieb für die Verwaltung des Systems erreicht hat, wird das LEI ROC sich auf zwei Hauptaufgaben konzentrieren: (1) Beaufsichtigung des Systems, so dass es auch weiterhin seinen wichtigen öffentlichen Zwecken dienen kann und (2) Definition von Richtlinienerfordernissen, die von GLEIF umgesetzt werden. Ein Teil der Richtlinienarbeit betrifft die Weiterentwicklung bzw. Klärung des LEI-Standards, so dass die Local Operating Units und die LEI-Registrierenden verstehen, welche Rechtsträger – ob Einzelhändler oder Zweigstellen – zum Erhalt eines LEIs berechtigt sind. Diese Arbeit, die weltweit einheitlich verwaltet wird, ist kritisch für das System, damit die Bedürfnisse des öffentlichen und des Privatsektors auch weiterhin erfüllt werden können.

Der vielleicht wichtigste Richtlinienstandard, der derzeit vom LEI ROC in Erwägung gezogen wird, beantwortet die bereits angesprochene Frage „Wer gehört wem?“. Im Oktober 2015 veröffentlichte das LEI ROC ein Konsultationsdokument, das beschreibt, wie wir anfangs Informationen über die Besitzverhältnisse von Firmen erfassen könnten. Jetzt sind wir gerade dabei, die Reaktionen der Öffentlichkeit zu bewerten. Wir gehen davon aus, dass wir im neuen Jahr weitere Meldungen herausgeben werden.

Sicherstellung, dass eine weitreichende LEI-Abdeckung Priorität bleibt

Eine weitere Priorität für das LEI ROC – und für GLEIF und andere Systempartner – ist das Erreichen einer weitreichenden LEI-Abdeckung. Bisher wurden etwa 400.000 LEIs an Firmen in über 180 Ländern vergeben. Für einen Standard, der erst ein paar Jahre alt ist, ist das eine erhebliche Akzeptanz. Wir können aber über die aufsichtsrechtliche Akzeptanz des LEIs und die freiwillige Akzeptanz auf Seiten der Unternehmen noch mehr tun – und gehen auch davon aus, dass dies der Fall sein wird. Wir denken, dass das weltweit machbar ist, denn der LEI ist ja doch ein Standard, der von und für die Branche, in der er Anwendung findet, entwickelt wurde.

So ist in den nächsten Jahren eine bedeutende Ausweitung der Abdeckung und damit auch des Werts des LEI-Systems zu erwarten.

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Über den Autor:

Matthew Reed ist Chief Counsel für das Office of Financial Research im US-Finanzministerium. In dieser Funktion arbeitet er als Angehöriger des leitenden Managementteams des Office, das für die Beobachtung und Analyse der Finanzstabilität eingerichtet wurde, mit Verantwortung für die Aufsicht über alle juristischen Aktivitäten des Office. Im Januar 2012 wurde er zum Gründungsvorsitzenden des Regulatory Oversight Committee des Global Legal Entity Identifier Systems ernannt, das über 80 Behörden aus der ganzen Welt umfasst und die Aufsicht über die Global LEI Foundation und das weitere System hat. Herr Reed arbeitete in der Vergangenheit in leitenden Positionen im öffentlichen Dienst bei der U.S. Securities and Exchange Commission und als Rechtsanwalt im US-Senat und im US-Justizministerium. Herr Reed hat einen Abschluss mit hohen Auszeichnungen von der George Mason School of Law und arbeitete für die juristische Fachzeitschrift der Hochschule.


Tags für diesen Artikel:
Richtlinienerfordernisse, Standards, Regulatory Oversight Committee (ROC)