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Wenn KI-Agenten Transaktionen durchführen, wer steht dann dahinter? Warum verifizierbare organisatorische Identität für agentische Zahlungen unverzichtbar ist

Unternehmen weltweit setzen zunehmend auf KI-Agenten. Erfreulicherweise bleiben die rechtlichen Grundsätze zur Zuweisung von Verantwortung dabei robust. Was fehlt, ist die Infrastruktur, um in Maschinengeschwindigkeit nachzuweisen, welche Organisation hinter einem Agenten steht und wer ihn zum Handeln autorisiert hat. Ausgehend von einem neuen GLEIF-Diskussionspapier zu agentischer KI im Zahlungsverkehr wird untersucht, wie eine Vertrauensebene verifizierbarer organisatorischer Identität dieses Problem löst.


Autor: Alexandre Kech

  • Datum: 2026-09-01
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Die heutigen KI-Agenten tun weit mehr, als Texte zu verfassen und Chatboxen zu betreuen. Sie entdecken Dienstleistungen, verhandeln Konditionen und initiieren Zahlungen – zunehmend auch untereinander. Große Zahlungsnetzwerke und Infrastrukturanbieter beginnen, agenteninitiierte Transaktionen zu unterstützen, was verdeutlicht, dass es sich hierbei längst nicht mehr um eine theoretische, sondern um eine operative Diskussion handelt.

Dieser Blogbeitrag stützt sich auf GLEIFs neues Diskussionspapier Agentische KI im Zahlungsverkehr: Aufbau interoperabler Vertrauen und Kontrolle, das über unsere Seite „Forschung & Veröffentlichungen“ abrufbar ist.

Das Ausmaß dieses Wandels ist beispiellos. Gartner prognostiziert, dass bis Ende 2026 bis zu 40 % der Unternehmensanwendungen aufgabenspezifische KI-Agenten enthalten werden – gegenüber weniger als 5 % ein Jahr zuvor. Mehr als 60 % der Unternehmen planen laut Gartner, innerhalb von zwei Jahren Agenten einzusetzen – die steilste Einführungskurve unter allen von Gartner beobachteten neuen Technologien.

Im Finanzdienstleistungssektor berichtet das Cambridge Centre for Alternative Finance (CCAF), dass Anfang 2026 bereits 52 % der Institute zumindest Pilotprojekte mit agentischer KI durchführten, viele davon mit bereits deutlich fortgeschritteneren Ansätzen.

Der gesamte adressierbare Markt ist selbstverständlich weitaus größer und erstreckt sich auf den Zahlungsverkehr, Handel und Lieferketten, digitale Vermögenswerte sowie staatliche Dienstleistungen. Doch in all diesen Bereichen stellen sich dieselben Fragen: Wer sollte dem Agenten einer Organisation die Befugnis zum Handeln erteilen, und wie kann eine Gegenpartei überprüfen, dass diese Befugnis tatsächlich erteilt wurde?

Für alle, die im Bereich der organisatorischen Identität tätig sind, ist dieses Muster vertraut. Eine neue Klasse von Akteuren entsteht, und erst danach werden die Systeme entwickelt, um diese Akteure zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen. In der agentischen Welt liegt das Problem nicht im Fehlen von Recht. Es fehlt der Nachweis.

Wenn ein Agent eine Zahlung veranlasst, die niemand ausdrücklich genehmigt hat, wirkt die Frage nach der Verantwortlichkeit dafür immer noch neu – dabei ist sie es in den meisten Fällen gar nicht. Die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Haftungszuweisung sind größtenteils bereits ausgereift. Was sie jedoch nicht leisten können, ist ein praktikabler Weg, delegierte Befugnisse nachzuweisen, eine Rechtsstellung zu begründen und im Streitfall belastbare Beweise vorzulegen.

Der Großteil der jetzt anstehenden Arbeit liegt somit im Aufgabenbereich der Entwickler, nicht der Gesetzgeber. Die Herausforderung besteht darin, etablierte Rechtsgrundsätze in technische und operative Verfahren zu übersetzen, die Agenten ausführen können. Konkret muss jeder Agent maschinenlesbare Nachweise für drei unterschiedliche Dinge mitführen: die rechtliche Identität der Organisation, in deren Namen er handelt, die ihm übertragene Befugnis sowie die Grenzen dieser Befugnis. Wenn dies rechnerisch überprüft werden kann, hängt Rechenschaftspflicht nicht mehr von Vertrauen ab, sondern von Beweisen.

Weit mehr als „Know Your Agent“

Ein Großteil der derzeitigen Bemühungen, Agenten zu identifizieren, endet auf der Ebene des Geräts oder der individuellen Zugangsdaten. Dieser Aspekt bleibt selbstverständlich wichtig und entwickelt sich rasant weiter. Er beantwortet jedoch nicht die Frage, auf die eine Bank, ein Lieferant oder eine Aufsichtsbehörde tatsächlich eine Antwort braucht: In wessen Auftrag handelt dieser Agent, und ist diese Befugnis echt?

Hier kommt der digitalisierte und kryptografisch verifizierbare LEI (vLEI) ins Spiel. Der Legal Entity Identifier (LEI) beantwortet bereits für mehr als 3,4 Millionen Rechtsträger weltweit die Fragen „Wer ist wer?“ und „Wem gehört wer?“. Der vLEI, sein digitales Pendant, erweitert diese verifizierte organisatorische Identität in den digitalen Bereich und ermöglicht es Gegenparteien, die Identität, die Befugnis und die Rolle einer Person oder eines Agenten, die bzw. der im Namen eines Rechtsträgers handelt, rechnerisch zu überprüfen. Er bildet als organisatorische Vertrauensebene die übergeordnete Schicht zur Geräte- und Agentenidentität und ergänzt damit die Arbeit auf Geräte- und individueller Zugangsdatenebene.

Ein Hardware-Schlüssel kann belegen, dass ein bestimmter Agent auf einem bestimmten Gerät läuft. Er kann jedoch für sich genommen nicht nachweisen, dass der Agent einen lizenzierten Importeur in Rotterdam vertritt oder dass die Person, die ihn autorisiert hat, eine Rolle innehat, die mit der erforderlichen Befugnis verbunden ist. Der vLEI macht dies möglich, indem er eine kryptografische Vertrauenskette nutzt, die bis zu einer verifizierten Person innerhalb einer verifizierten Organisation zurückverfolgt werden kann. Anders ausgedrückt: Rechenschaftspflicht ist fest in jede agentische Transaktion eingebaut.

Digitale organisatorische Identität in der Praxis nutzbar machen

Agentische Systeme verhalten sich nicht wie arbeitende Menschen. Typischerweise erfüllen Agenten eng definierte Aufgaben, im Rahmen spezifischer vertraglicher Vereinbarungen, über kurze Zeiträume hinweg. Der Grund dafür ist, dass die dafür verantwortlichen Personen und Organisationen Befugnisse häufig – und mitunter nahezu unmittelbar – erteilen, überwachen und widerrufen müssen.

Die Steuerung von Agenten nach einem Modell der „partitionierten Befugnis“ – also die Kontrolle darüber, welcher Agent was tun darf, unter wessen Mandat, für wie lange und innerhalb welcher Einschränkungen – ist wesentlich effizienter, als jeden Agenten mit einer eigenen, eigenständigen Identität auszustatten. Ein Berechtigungsmodell, das auf digital verifizierbarer organisatorischer Identität aufbaut, lässt sich genau auf diese Faktoren zuschneiden: Die Befugnis des Agenten begleitet dann die Zugangsdaten und wird bei Beginn der Transaktion überprüft, statt im Nachhinein rekonstruiert werden zu müssen.

Grenzüberschreitende Zahlungen als Bewährungsprobe

Die potenziellen Anwendungsfälle für dieses Modell organisatorischer Identität sind nahezu grenzenlos, doch der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr dürfte der erste Nutznießer sein. Hier treffen in einer einzigen Transaktion routinemäßig mehrere Rechtsordnungen, Anbieter und Regelwerke aufeinander.

Bei agenteninitiierten grenzüberschreitenden Zahlungen müssen die organisatorischen Zugangsdaten eines Agenten für Gegenparteien und Zahlungsdienstleister über Rechtsordnungen hinweg maschinenlesbar sein, ohne auf bilaterale Vertrauensvereinbarungen oder plattformspezifische Register angewiesen zu sein. Die Systeme müssen prüfen können, ob der Transaktionskorridor zulässig ist, ob die Gegenpartei zugelassen ist, ob das Mandat noch gültig ist und ob die hinter der Zahlung stehende Organisation unabhängig verifiziert werden kann.

Erfreulicherweise schreitet die Umstellung des globalen Finanzsystems auf strukturierte ISO-20022-Daten zügig voran, sodass dieses Maß an Identitätsgenauigkeit direkt in die Zahlungsnachricht selbst integriert werden kann – und schon bald mehr oder weniger überall zur Grundvoraussetzung werden könnte.

Ein erweitertes öffentliches Gut

All dies ersetzt nicht das, was das Global LEI System bereits leistet. Das System wurde als umfassendes öffentliches Gut mit anfänglichem Schwerpunkt auf den Kapitalmärkten geschaffen. Es entwickelt sich zu einer globalen digitalen öffentlichen Infrastruktur (DPI) für die Unternehmensidentität und verankert organisatorische Identität im Zahlungsverkehr, in Lieferketten, bei digitalen Vermögenswerten und in staatlichen Dienstleistungen. Die Unterstützung rechenschaftspflichtiger agentischer Aktivitäten ist eine natürliche Fortsetzung dieser Rolle.

Die agentische Wirtschaft wird jene Ökosysteme belohnen, die Vertrauen fest in ihre Abläufe verankern. Offene, standardisierte und verifizierbare organisatorische Identität ist einer der Bausteine, die dieses Vertrauen ermöglichen. GLEIF wird auch weiterhin mit Standardisierungsgremien, Aufsichtsbehörden und der Industrie zusammenarbeiten, um bei dessen Umsetzung zu helfen. GLEIFs vollständiges Diskussionspapier zu agentischer KI im Zahlungsverkehr erläutert die Mechanismen ausführlicher und lädt zu weiterer Diskussion und Feedback ein.

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Über den Autor:

Alexandre Kech ist der CEO der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF).

Bevor er zu GLEIF stieß, war Alexandre Kech als Head of Digital Securities bei der SIX Digital Exchange tätig. Als Mitglied der Geschäftsleitung trug Herr Kech die volle Führungsverantwortung für den Geschäftsbereich Digital Securities, einschließlich Sales und Relationship Management, Entwicklung von Produkten, Business Design sowie der Erweiterung des Ökosystems.

In den vergangenen 25 Jahren hat Herr Kech eine einzigartige Karriere aufgebaut, die Finanzen bei BNY Mellon, Zahlungs-/Wertpapierinfrastruktur und -standards bei SWIFT sowie Blockchain und digitale Vermögenswerte bei Onchain Custodian (ONC) und zuletzt bei Citi Ventures umspannt. Als Mitgründer und CEO von ONC leitete er das in Singapur und Shanghai ansässige Team, das Depot- und Prime-Brokerage-Dienstleistungen für Kryptowährungen und andere digitale Vermögenswerte von Grund auf aufbaute. Als Blockchain & Digital Asset Director bei Citi Ventures schuf er ein Team, um das europäische Ökosystem in neue Anwendungsfälle für Blockchain-Technologien und digitale Assets einzubinden.

Herr Kech engagiert sich außerdem in Branchen- und Standardisierungsinitiativen. Als Koordinator des ISO TC 68/SC8/WG3, das den ISO 24165 Digital Token Identifier (DTI) schuf, ist er Mitglied des DTI Foundation Product Advisory Committee. Zuletzt war er außerdem Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Global Digital Finance Custody (gdf.io).

Alexandre Kech erwarb einen Bachelor-Abschluss in Übersetzung und einen Executive MBA der Quantic School of Business and Technology, während er Onchain Custodian aufbaute, und setzte dabei Theorie in Echtzeit in die Praxis um.


Tags für diesen Artikel:
Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF), Legal Entity Identifier (LEI), Agentische KI, Grenzüberschreitende Zahlungen, Digitale öffentliche Infrastruktur, Digitaler Handel, Digitale Identität, Verifizierbarer LEI (vLEI)