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Enormer Zuwachs bei Identitäts- und digitaler Vertrauenstechnologie signalisiert grundlegende Veränderungen beim globalen Handel

Laut IDC haben für 79 % digital reifer Unternehmen im Jahr 2023 Vertrauensprogramme Priorität. Damit digitales Vertrauen aber die weltweiten Lieferketten wirklich transformieren kann, ist ein universeller Ansatz erforderlich, so Stephan Wolf, CEO von GLEIF. Sichere und verlässliche Identitäten sind eine entscheidende Voraussetzung für die Lösung vieler Probleme, die derzeit die Handelsströme behindern. Dazu zählen beispielsweise Betrugs- und Risikominderung zusammen mit dem Nachhaltigkeits- und Umweltmanagement, finanzieller Inklusion und Lieferketteneffizienz.


Autor: Stephan Wolf

  • Datum: 2023-03-23
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Weltweit streben Unternehmen Veränderungen an. Laut einem vor kurzem für GLEIF durchgeführten IDC Technology Spotlight* haben für rund 79 % der Unternehmen weltweit „Vertrauensprogramme“ dieses Jahr Priorität. Somit investieren sie in Sicherheit, Datenschutz und Compliance, um ihre Risikoposition zu verbessern.

Von diesen Unternehmen nannten 37 % die „Minderung der Risiken für das digitale Vertrauen“ als einen der schwierigsten Aspekte beim Führen eines digitalen Unternehmens. Die Investitionsbereitschaft kommt auch in der Prognose von IDC zum Ausdruck. Danach wird trotz der schwierigen Wirtschaftsbedingungen in der EMEA-Region für den Markt für Identitäts- und digitale Vertrauenstechnologien ein zweistelliges Wachstum im Vergleich zum Vorjahr erwartet.

Ein erheblicher Teil des Marktes sieht dies als einen Wettbewerbsvorteil an: Rund 50 % der von IDC befragten Unternehmen bezeichneten die Identitätssicherheit entweder als „eine Quelle für betriebliche Einsparungen, ein zentrales Element für die Gesamtsicherheit oder eine Technologie, für die sie mehr ausgeben möchten“. Rund 74 % verfügen bereits über formale Vertrauensprogramme mit unterschiedlichem Reifegrad. Einige dienen ausschließlich der Sicherheit und dem Datenschutz, während andere bereits Kundenerfahrung, Reputation, Nachhaltigkeit und Diversität umfassen.

Nichts davon ist überraschend. Mit dem Abklingen der Pandemie hat die Weltwirtschaft mit einem noch nie da gewesenen Ausmaß an Identitätsbetrug zu kämpfen. Diese Zunahme bei der Digitalkriminalität verursacht weltweit enorme finanzielle Schäden. Außerdem wird dadurch das unverzichtbare Vertrauen zwischen den Unternehmen zerstört, insbesondere zwischen denen, die grenzüberschreitend und in unterschiedlichen Rechtssystemen tätig sind.

Angesichts einer solch angespannten Lage kann – oder sollte – die Welt nicht darauf warten, dass die altbekannten Marktkräfte „eine Lösung“ liefern. Es würde viel zu lange dauern, bis sich der übliche Zyklus am Technologiemarkt bestehend aus Innovation, Fragmentierung und Konsolidierung mit einigen wenigen dominierenden Eigenlösungen entfaltet. Außerdem würde dieses Modell nur zu konkurrierenden Lösungen führen und somit zu verschiedenen Tendenzen seitens der Unternehmen, bei denen einige Regionen gegenüber anderen bevorzugt würden, ohne eine allgemeine Akzeptanz zu erreichen. Vielmehr sind privatwirtschaftliche Neutralität und Standardisierung erforderlich, um eine nationale und internationale Verwendung zu fördern.

Weltweite Unternehmen und Lieferketten müssen nun agiler und stabiler sein

Laut IDC bestimmen drei zentrale Erfolgsfaktoren über die Zukunft der digitalen Identität und der Handelsdigitalisierung: Vernetzungsfähigkeit, leichter Zugang und eine kritische Teilnehmerzahl. Außerdem sieht die Analystenfirma noch einen großen Anreiz. Wenn Handelsökosysteme bis 2028 interoperabel, standardisiert, technologieunabhängig und leicht zugänglich werden, sollten demnach 30 % des gesamten Handelsfinanzvolumens aus digitalen Handelsfinanztransaktionen bestehen.

Einfach ausgedrückt: Die globalen Lieferketten brauchen eine globale Identitätslösung – und zwar schnell. Deshalb ist die Verfügbarkeit sicherer, verlässlicher und weltweit anerkannter Unternehmensidentitäten eine entscheidende Voraussetzung und ein Fundament für einen prosperierenden globalen Handel.

Das Global Legal Entity Identifier (LEI) System ist für diese Funktion wie geschaffen. Die im Juni 2014 vom Financial Stability Board geschaffene Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF) ist eine supranationale gemeinnützige Organisation, welche die Einführung und Verwendung des LEI regelt und unterstützt. Der LEI ist ein universelles Unternehmensidentitätssystem, das von den G20-Staaten, dem FSB und dem Regulatory Oversight Committee (ROC), einer Gruppe weltweiter Behörden, unterstützt und überwacht wird.

Der LEI ist eine grenzüberschreitende Lösung für die Identifizierung von Unternehmen, die offen und zuverlässig ist und sich ohne Weiteres in die gesetzlichen Rahmenbedingungen integrieren lässt

Über zwei Millionen Rechtsträger weltweit weisen sich international bereits mit einem LEI aus. Der LEI ist ein zwanzigstelliger Code, der mit einem geprüften Geschäftsregistrierungs- und Informationsdatensatz im Global LEI Index verknüpft ist. Der Global LEI Index wiederum ist eine von GLEIF unterhaltene Datenbank, auf die jeder kostenlos zugreifen kann. Kein LEI gleicht dem anderen. Nur jeweils ein (1) LEI repräsentiert einen Rechtsträger. Das bedeutet, dass alle von neugierigen Verbrauchern bis zu den Aufsichtsbehörden überall auf der Welt anhand einer seriösen und geprüften Datenquelle ein Unternehmen überprüfen können.

Im Kampf gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und anderen Formen der Finanzkriminalität haben mittlerweile mehr als 200 Finanzregulatoren weltweit den LEI für an den Kapitalmärkten tätige Rechtsträger vorgeschrieben. Das System wird nun über die regulierte Verwendung hinaus erweitert und konzentriert sich darauf, den Unternehmen, die den LEI verwenden, dabei zu helfen, Handelstätigkeiten jeder Art vertrauenswürdiger, effizienter und transparenter zu machen. Dazu hat GLEIF ein neues Modell der dezentralisierten Unternehmensidentität entwickelt: den verifizierbaren LEI (vLEI). Mit diesem können sich Unternehmen weltweit über das Global LEI System ausweisen und die Echtheit anderer Unternehmen digital überprüfen. Der vLEI folgt dem altbekannten Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Dieses wird durch das kontraintuitiv genannte Paradigma der „Zero Trust Architecture“ verkörpert, die sich im Bereich der Cybersicherheit zunehmend rasch durchsetzt. Diese Architektur bietet eine neue, verifizierbare digitale Vertrauensebene, die sich unter den herkömmlichen Informationen befindet, die zwischen den Lieferkettenunternehmen ausgetauscht werden.

Abbildung 1: Anwendungsfall – LEI und vLEI im Lieferkettenmanagement für Compliance, Effizienz und Innovation

Mit dem LEI und dem vLEI lassen sich die Handelsdynamiken bei den Nutzern enorm verbessern. So lassen sich dann Know-Your-Customer-Prüfungen sowie andere Sorgfaltsprüfungen im Rahmen der Aufnahme von Lieferanten optimieren, das Risikomanagement wird verbessert und das Vertrauen unter den Handelspartnern wird gesteigert. Das Ergebnis ist ein transparenterer und effizienterer grenzüberschreitender Waren- und Datenaustausch. Dadurch verbessert sich nicht nur das Erlebnis der Kunden, sondern das aller Beteiligten. Das aus LEI und vLEI bestehende System ist eine offene, verlässliche, äußerst skalierbare und einfach in die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu integrierende Lösung für die grenzüberschreitende Unternehmensidentifikation. Daher bietet es eine einzigartige Antwort auf die Forderungen, die aus allen Ecken der Digitalwirtschaft deutlich zu hören sind.

*IDC Technology Spotlight: Vertrauenswürdige Geschäftsbeziehungen sicherstellen und vorantreiben – mit sicheren und verlässlichen Identitäten, März 2023, gesponsort von GLEIF.

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Über den Autor:

Stephan Wolf war der CEO der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF) (2014–2024). Seit März 2024 leitet er das Industry Advisory Board (IAB) der Digital Standards Initiative der Internationalen Handelskammer (ICC), der globalen Plattform für die Angleichung, Einführung und Einbindung digitaler Standards. Vor seiner Ernennung zum Vorsitzenden war er seit 2023 stellvertretender Vorsitzender des IAB. Im selben Jahr wurde er in den Vorstand der Internationalen Handelskammer (ICC) Deutschland gewählt.

Zwischen Januar 2017 und Juni 2020 war Herr Wolf Mitvorsitzender der International Organization for Standardization Technical Committee 68 FinTech Technical Advisory Group (ISO TC 68 FinTech TAG). Von One World Identity wurde Herr Wolf im Januar 2017 unter die Top 100 Leaders in Identity gewählt. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Einrichtung von Datenoperationen und globalen Implementierungsstrategien. Er hat während seines gesamten Berufslebens an der Weiterentwicklung grundlegender Unternehmens- und Produktentwicklungsstrategien gearbeitet. Herr Wolf war 1989 Mitgründer der IS Innovative Software GmbH und erster Geschäftsführer der Gesellschaft. Später wurde er Sprecher des Vorstands der Nachfolgegesellschaft IS.Teledata AG. Diese Gesellschaft wurde schließlich Teil der Interactive Data Corporation, wo Herr Wolf die Funktion des Technischen Direktors innehatte. Herr Wolf hat einen Abschluss in Betriebswirtschaft von der J. W. Goethe Universität, Frankfurt am Main.


Tags für diesen Artikel:
Digitale Identität, Legal Entity Identifier (LEI), Risikomanagement, Open Data, Global LEI Index, Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF), Verifizierbarer LEI (vLEI)