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Der LEI: Ein Alleskönner für die globale digitale Wirtschaft

Unlängst am Global LEI System vorgenommene Änderungen machen den Weg frei für die globale Digitalisierung. Stephan Wolf, CEO, GLEIF, bespricht die wichtigsten eingeführten Initiativen und wirft einen Blick auf die Zukunft.


Autor: Stephan Wolf

  • Datum: 2021-06-18
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Laut einer jüngsten weltweiten Studie von McKinsey & Company hat Covid-19 die digitalen Initiativen von Unternehmen um durchschnittlich sieben Jahre beschleunigt.

In Anbetracht dieses monumentalen Fortschritts hat GLEIF im vergangenen Jahr einige strategische Initiativen eingeführt, mit denen der Wert des Legal Entity Identifier (LEI) in den Bereichen der digitalen Identität, der digitalisierten Kontrahentenidentifikation und den damit verbundenen Nutzungsfällen erweitert werden soll.

Während Deutschland am 18. Juni den bundesweiten Digitaltag feiert, blickt GLEIF auf diese Meilensteine zurück und überlegt, was die Zukunft für den LEI und die globale digitale Wirtschaft bereithalten mag.

Die Validierungsstelle: Zugang zu ID-Diensten für Rechtsträger im Unternehmenssektor

Im September führte GLEIF mit der sogenannten Validierungsstelle eine neue Funktion im Global LEI System ein. Damit sollen finanzielle Institutionen und andere beaufsichtigte Organisationen unterstützt werden, um im Client Lifecycle Management umgehend Verbesserungen zu erzielen und für die Kunden innovative Identitätsdienste im Unternehmenssektor zu entwickeln.

Validierungsstellen setzen ihre Know-Your-Customer- (KYC), Anti-Money-Laundering- (AML) und sonstigen regulierten Onboarding-Prozesse im normalen Geschäftsgang ein, um für ihre Kunden LEIs zu beziehen. Indem sie ihre Geschäftskunden mit LEIs ausstatten, können Validierungsstellen die finanzielle Eingliederung fördern und neues Wertpotenzial schaffen, da sie Pionierarbeit für umsatzsteigernde digitale Dienstleistungen bezogen auf das Identitätsmanagement von Unternehmen und grenzüberschreitende Lieferkettenbeziehungen leisten.

Darüber hinaus können Validierungsstellen den LEI auch nutzen, um ihre interne digitale Transformation zu beschleunigen, etwa im Hinblick auf das Kunden-Onboarding, Zahlungen und andere Transaktionen sowie die Unterzeichnung von Verträgen.

Seit Einführung Ende 2020 hat das Konzept der Validierungsstellen weltweit erheblich an Wirkungskraft gewonnen. Zwei bedeutende Institutionen, J.P. Morgan und die China Financial Certification Authority (CFCA), haben bereits das Qualifizierungsverfahren durchlaufen und viele weitere werden folgen.

Der vLEI: Für eine umgehende, automatisierte Verifizierung von Unternehmensidentitäten

Bislang war der Mangel einer unabhängigen Kontrollinstanz, mit der universelles digitales Vertrauen zwischen Rechtsträgern hergestellt werden kann, ein branchenweites Innovationshindernis. Um diese Hürde zu überwinden, hat GLEIF 2020 ein branchenübergreifendes Entwicklungsprogramm eingeführt, um einen digital verifizierbaren LEI (vLEI) zu schaffen. Der vLEI wird nach Fertigstellung das Global LEI System erweitern, sodass ein vollständig digitalisierter LEI-Dienst eingerichtet wird, der die sofortige und automatisierte Identitätsprüfung zwischen Kontrahenten aus allen Industriesektoren weltweit ermöglicht.

Mit GLEIF als Ursprung des Vertrauens („Root of Trust“) etabliert der vLEI-Dienst eine kryptografisch sichere Vertrauenskette, mit der die manuellen Prozesse ersetzt werden können, die für den Zugriff auf die LEI-Daten eines Unternehmens und deren Bestätigung erforderlich sind. Dies ermöglicht es Organisationen weltweit künftig, die nicht widerlegbare Identifikationsdaten ihres LEIs zu ihrem Rechtsstatus, ihrer Eigentümerstruktur und ihren Bevollmächtigten in einer immensen Anzahl von digitalen Geschäftsaktivitäten, von denen viele automatisierter Art sind, einzusetzen, um auf Jahre an der globalen digitalen Wirtschaft teilnehmen zu können.

Aufgrund dessen hat der vLEI das Potenzial, zu einem der weltweit wertvollsten digitalen Identitätsnachweise zu werden; er wird das Gütesiegel in Sachen Authentizität für alle Rechtsträger auf der ganzen Welt sein.

Im Februar 2021 stellte GLEIF die offiziellen Modelle für die Ausgabe und technische Infrastruktur vor, welche die Entwicklung des vLEI unterstützen werden. Derzeit lädt GLEIF außerdem Softwareentwickler ein, um mit den Programm-Stakeholdern zusammenzuarbeiten und herauszufinden, wie der vLEI in künftigen Anwendungen eingesetzt werden könnte.

Digitale Zertifikate: Integration des LEIs für künftiges Vertrauen in das System

Da die Verwendung von digitalen Zertifikaten durch Rechtsträger sowohl nach Anzahl als auch nach Anwendungsfällen zunimmt, steigt sowohl der zeitliche und als auch der finanzielle Aufwand. Die zunehmende Komplexität dieser Aufgabe untergräbt schon jetzt das Vertrauen in das System, das durch den Einsatz von digitalen Zertifikaten erst noch geschaffen werden sollte.

Um dieses Problem anzugehen, arbeitet GLEIF eng mit der International Standards Organization (ISO) zusammen, um die Integration des LEIs in digitale Zertifikate zum Vergabezeitpunkt zu standardisieren , was die Verwaltung, Bündelung und Pflege von Zertifikaten erleichtern und die Transparenz im gesamten Ökosystem der digitalen Identität erhöhen wird. Der LEI wird zum gemeinsamen Bindeglied zwischen den digitalen Zertifikaten. Damit bietet er bei jeder Online-Interaktion künftig Gewissheit über die Identität und vereinfacht für alle eine vertrauensbasierte Teilnahme am globalen digitalen Markt.

GLEIF arbeitet aktiv mit den Certification Authorities (CAs) und Trust Service Providers (TSPs) zusammen, um die Verwendung des LEIs in digitalen Zertifikaten als Teil ihrer neuen CA Stakeholder Group, die im März 2021 angekündigt wurde, zu unterstützen und zu fördern. Ziel dieser Gruppe ist es, die Übertragung von allseits vorteilhaften Informationen zwischen den Beteiligten zu erleichtern, um gemeinsam Best-Practice-Richtlinien und Fallstudien für die Integration des LEIs zu entwickeln. Im Anschluss daran begrüßte GLEIF anlässlich der Einführung der China Financial Certification Authority’s (CFCA) TrustSign® Software im März 2021 die erstmalige Demonstration eines in einem digitalen Zertifikat integrierten LEIs auf kommerzieller Ebene.

LEI Search 2.0: Erweiterung und Automatisierung des Zugangs zu LEI-Daten

GLEIF ist darüber hinaus sehr bemüht sicherzustellen, dass die LEI-eigenen Tools stets der Digitalisierungskurve voraus sind.

Ganz im Sinne der Vision, einen breiteren und automatisierten Einsatz des LEIs zu ermöglichen, hat GLEIF im Jahr 2020 die Migration auf LEI Search 2.0 abgeschlossen. Dabei handelt es sich um eine neue LEI-Suchmaschine mit einer leistungsstarken Datenfunktion. Außerdem hat GLEIF eine begleitende Programmierschnittstelle veröffentlicht, mit der Dritte schnelle, individualisierte und automatisierte Suchen erstellen und offen verfügbare LEI-Daten von höherer Qualität direkt von ihren Anwendungsumgebungen heraus abrufen können.

Dank erweiterter Suchparameter bietet LEI Search 2.0 ein neues Maß an Transparenz dahingehend, wie Rechtsträger sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Dies ermöglicht eine beschleunigte und komplexere Due Diligence von Kontrahenten, erhöht die Granularität in Bezug auf Verfahren der Aufsichtsbehörden und schafft für Aggregatoren von Marktdaten mehr Berichtspotenzial.

Was kommt als Nächstes?

Auch in den kommenden Monaten wird GLEIF hart daran arbeiten, diese strategischen Initiativen voranzutreiben.

Das Konzept der Validierungsstellen reift zusehends aus, und der Schwerpunkt von GLEIF liegt nun darauf, die Vorteile der Funktion hervorzuheben und ihre Akzeptanz bei den Finanzinstitutionen und anderen beaufsichtigten Organisationen weltweit zu erhöhen.

Der vLEI entwickelt sich nach wie vor in einem rasanten Tempo, da die Stakeholder in den Sektoren Pharmazie, Telekommunikation, Automobil und Finanzdienstleistungen allmählich sektorspezifische Anwendungen ausbauen.

In Zusammenarbeit mit Mitgliedern der CA Stakeholder Group arbeitet GLEIF weiterhin daran, die Komplexität zu verringern und weltweit Vertrauen und Transparenz im Ökosystem der digitalen Zertifikate zu schaffen.

Der LEI entspringt einer stolzen Tradition aus dem Umfeld der Finanzdienstleistungen und Finanzaufsicht. Seine Zukunft weist jedoch unbestreitbar auf eine breitere, digitalisierte Einführung und Nutzung im öffentlichen und privatwirtschaftlichen Sektor weltweit hin. Das Global LEI System ist das einzige offene, geschäftlich neutrale und aufsichtsrechtlich empfohlene System, das in der Lage ist, ein digitalisiertes Vertrauensverhältnis zwischen allen Rechtsträgern weltweit herzustellen. Es wurde als öffentliches Gut konzipiert, und GLEIF setzt sich unermüdlich dafür ein, dass auch das letzte Quäntchen an Wertpotenzial aus dem System herausgeholt und zum Nutzen aller eingesetzt wird.

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Über den Autor:

Stephan Wolf ist der CEO der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF). Zwischen Januar 2017 und Juni 2020 war Herr Wolf Mitvorsitzender der International Organization for Standardization Technical Committee 68 FinTech Technical Advisory Group (ISO TC 68 FinTech TAG). Von One World Identity wurde Herr Wolf im Januar 2017 unter die Top 100 Leaders in Identity gewählt. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Einrichtung von Datenoperationen und globalen Implementierungsstrategien. Er hat während seines gesamten Berufslebens an der Weiterentwicklung grundlegender Unternehmens- und Produktentwicklungsstrategien gearbeitet. Herr Wolf war 1989 Mitgründer der IS Innovative Software GmbH und erster Geschäftsführer der Gesellschaft. Später war er Sprecher des Vorstands der Nachfolgegesellschaft IS.Teledata AG. Diese Gesellschaft wurde schließlich Teil der Interactive Data Corporation, in der Herr Wolf die Funktion des Technischen Direktors innehatte. Herr Wolf hat einen Abschluss in Betriebswirtschaft von der J. W. Goethe Universität, Frankfurt am Main.


Tags für diesen Artikel:
Digitale Identität, LEI-Suchwerkzeug, Vorteile eines LEI aus unternehmerischer Sicht, Verifizierbarer LEI (vLEI), Digitale Zertifikate, Validierungsstellen